Meerbuscher ZWAR-Gruppe besucht das Wasserwerk Lank

Meerbuscher ZWAR-Gruppe besucht das Wasserwerk Lank

Wie gut ist unser Trinkwasser und woher kommt es? Welche Schritte sind notwendig, damit es beim Verbraucher landet? Diese und ähnliche Fragen wurden rund 20 Mitgliedern der ZWAR-Gruppe von Wassermeister Hartmut Reuter beim Rundgang durchs Lanker Wasserwerk beantwortet.

„Wir möchten gerne mal das Wasserwerk Lank besuchen.“ Mit dieser Bitte wandte sich Bernd Stracke, Vorsitzender des Meerbuscher ZWAR-Netzwerkes (Menschen ZWischen Arbeit und Ruhestand) an die Wirtschaftsbetriebe Meerbusch und stieß bei Wassermeister Hartmut Reuter damit auf offene Ohren. So trafen sich am 14. Juni rund 20 ZWAR-Mitglieder an der Großen Gasse im Wasserwerk Lank.

Vor dem eigentlichen Blick hinter die Kulissen stand allerdings erst einmal etwas Theorie auf dem Plan. In der Leitzentrale mit ihren blinkenden Leuchten ließen sich an einem Schaubild die Verfahrensschritte zur Trinkwasserbereitung am besten erläutern.

Hartmut Reuter ging als erstes auf die Wassergewinnung ein. Viele Zuhörer waren erstaunt zu hören, dass das Trinkwasser bis zu uns bereits einen langen Weg hinter sich hat. Das Wasser, das aus zwei Tiefbrunnen des Wasserwerks (132 Meter unter der Erde) kommt, entspringt ursprünglich im Eifelgebirge. Gemischt wird es mit dem Wasser, das aus vier Flachbrunnen mit 25-30 Meter Tiefe gewonnen wird.

Im Lanker Werk schließlich wird das kostbare Nass durch Aktivkohle gefiltert, anschließend entkalkt und so aufbereitet, dass es den strengen Vorschriften der deutschen Trinkwasserverordnung entspricht. „Viele wissen gar nicht, dass man das Wasser direkt aus dem Hahn trinken kann. Es ist das bundesweit am besten kontrollierte Lebensmittel“, erläuterte Hartmut Reuter.

Alle zwei Jahre werden die Aktivkohlefilter gewechselt. Die Entcarbonisierungsanlage schließlich sorgt dafür, dass das Wasser entkalkt wird. Am Ende des Aufbereitungsprozess hat es einen ph-Wert von ca. 7,7 und einen Härtegrad von 12°dH, was mittelhartem Wasser (Härtegrad 2) entspricht. „Die Entkalkung hat rein technische Gründe. Es geht darum zu verhindern, dass sich Kesselstein an Armaturen, technischen Geräten und in der Hausinstallation festsetzt. Der menschliche Körper dagegen braucht die Mineralien, die im Wasser enthalten sind“, weiß Reuter zu berichten.

„Welche Gebiete versorgen Sie denn überhaupt und was läuft das so durch am Tag?“ war eine Frage aus dem Publikum. Im Jahresdurchschnitt werden in Lank 3 Millionen Liter Trinkwasser täglich geliefert. Im Winter können das schon mal nur 2,7 Millionen sein; im Sommer, beispielsweise während der Hitzeperiode Anfang Juli werden auch Spitzenwerte von 5,6 Millionen Litern am Tag ins Netz geschickt. Zwei große in die Erde eingelassene Betonbehälter tragen dafür Sorge, dass auch während Hitzeperioden das Wasser für die Meerbuscher nicht knapp wird.

Versorgt werden von Lank aus die Stadtteile Strümp, Lank-Latum, Langst-Kierst, Illverich, Bösinghoven, Nierst und ein großer Teil Büderichs.

Der Ortsteil Osterath bekommt übrigens sein Trinkwasser vom Willicher Wasserwerk Fellerhöfe und der Süden Büderichs wird vom Kreiswasserwerk Grevenbroich versorgt. Der Tagesverbrauch eines Erwachsenen liegt aktuell bei 120 Litern am Tag, wobei der Löwenanteil allerdings für das Waschen, Spülen, Putzen und die Körperpflege verwendet wird.

Auch auf die Frage nach dem Gewässer- und Grundwasserschutz wurde während der Führung eingegangen. Andrea Steffen aus der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit gab genauere Einblicke: „Seit vielen Jahren besteht ein Wasserschutzprojekt mit dem Titel ‚Landwirtschaftliche Kooperation‘, in dem wir eng und erfolgreich mit den hiesigen Landwirten zusammenarbeiten, um die Nitratbelastungen durch Düngungen so niedrig wie möglich zu halten. Auch außerhalb der Anbauzeiten werden von den Landwirten die Flächen begrünt und so gelangt weniger Nitrat ins Grundwasser.“

Mit einem frischen Schluck Trinkwasser konnten sich die ZWAR-Netzwerker stärken, bevor sie sich dann ins eigentliche Herz des Wasserwerks begaben. Beim Rundgang selbst wurde es dann laut. Etliche Pumpen, Filteranlagen, Messarmaturen und Rohrleitungen sind Tag und Nacht im Dienst, der Betrieb wird ständig überwacht. Trinkwasserproben zur Sicherstellung der Qualität gehen regelmäßig ins Labor des Wasserwerks Willich und des IWW (IWW Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasserforschung gemeinnützige GmbH). Der Wassermeister ließ einige Proben Kalkpellets zum Anfassen herumgehen und zeigte wie die Entkalkung (Entdarbonisierung) des Wassers funktioniert. Das gelang so gut, dass gefragt wurde: „Haben Sie eigentlich Chemie studiert?“ Das allerdings musste der Wassermeister verneinen. „Wir haben ein betriebseigenes Labor und geben deutlich mehr Untersuchungen als gesetzlich vorgeschrieben auch bei fremden Instituten in Auftrag.“ Beeindruckt zeigten sich die Besucher außerdem von der Sauberkeit im Wasserwerk.

Am Ende der Führung konnte jeder Besucher einen Blick auf ganz besondere Exponate in der Geschichte des Wasserwerks Lank werfen. Korrodierte Leitungen aus betagten Gebäuden, das Innenleben und die Mechanik sowohl eines alten als auch eines modernen Wasserhydranten und die üblichen Innenablagerungen in Wasserrohren, auch Passivierungs- oder Kalkrostschutzschicht genannt, sind nur einige Beispiele.

Nach gut eineinhalb Stunden bedankten sich Hartmut Reuter und Andrea Steffen bei den Besuchern für ihr Interesse und die rege Teilnahme. Ein Satz hat die beiden dann besonders gefreut: „Wir gehen jetzt nach Hause und wissen, dass wir brilliant gutes Wasser in Meerbusch haben.“

Versehen mit einer Quietscheente als Erinnerung an die Führung und einem entspannenden Badewasserzusatz traten die Teilnehmer nach eineinhalb Stunden den Heimweg an, während vom Wasserwerk ohne Unterlass das nasse Element auf seinen Weg zum Verbraucher geschickt wird.

Fotos der Besichtigung finden Sie in unserer Foto-Galerie.
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