Büdericher Beuys-Mahnmal geht erstmals seit 1959 auf Reisen

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Fachleute des Spezialunternehmens Hasenkamp aus Köln demontierten Torflügel und Plastik und sorgten für den sicheren Transport in die Restaurierungswerkstätten in Brauweiler.

Eichentor und Auferstehungssymbol werden im Klever Museum Kurhaus ausgestellt.

Wer in diesen Tagen einen arglosen Blick in den Alten Kirchturm an der Dorfstraße in Büderich wirft, wird überrascht sein. Lediglich das eiserne Sicherungstor des Mahnmals verschließt noch den Eingang. Die beiden jeweils 450 Kilogramm schweren Torflügel aus massivem Eichenholz mit den eingemeißelten Namen der Toten beider Weltkriege sind ausgebaut und abtransportiert. Auch das große Auferstehungssymbol, aus einem einzigen Eichenstamm von Joseph Beuys geschaffen, ist abgehängt. Alle drei Teile wurden jetzt im Auftrag der Stadt von einem Spezialunternehmen zur “restauratorischen Reinigung” in die Werkstätten des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege in Pulheim-Brauweiler gebracht.

Von Brauweiler aus geht die Reise der wertvollen Stücke im April weiter nach Kleve. Im dortigen Museum Kurhaus beginnt am 1. Mai eine Sonderausstellung mit dem Titel “Joseph Beuys – Werklinien”. Anlass ist der 30. Todestag des Künstlers am 23. Januar und der 95. Geburtstag am 12. Mai 2016. Für die Ausstellung wird das Klever Atelier, in dem Beuys in den Jahren 1954 bis 1967 arbeitete, erstmals komplett wieder hergerichtet. “Das Büdericher Mahnmal gehört zu den wichtigsten und größten Werken, die Beuys in diesem Atelier geschaffen hat”, sagt Valentina Vlasic, Kunsthistorikerin und Kuratorin am Museum Kurhaus Kleve. “Dass wir diese Arbeit im Rahmen einer Kooperation mit der Stadt Meerbusch hier an ihrem Entstehungsort zeigen können, ist eine kleine Sensation.”

Im Jahr 1959 hatte Beuys das grobe Eichentor, die anmutige Holzplastik im Inneren und den Turmschacht selbst im Auftrag der damaligen Gemeinde Büderich als Gesamtkunstwerk gestaltet. Heute ist der Alte Kirchturm zudem die einzige Großarbeit von Joseph Beuys, die frei im öffentlichen Raum, außerhalb von Galerie- oder Museumsmauern bewundert werden kann.

“Ausgangspunkt dafür, dass aus diesem Jahrhunderte alten Büdericher Kirchengrund überhaupt ein Ort des Gedenkens und der Kunst werden konnte, war der verhängnisvolle Kirchenbrand in der Nacht vom 26. auf den 27. Juli 1891”, weiß Stadtsprecher Michael Gorgs. Vergessene Kohlenglut in einem Weihrauchfass hatte das Feuer ausgelöst. “Nur Grundmauern und Turm blieben stehen.” 1893 weihte die Pfarrgemeinde den deutlich größeren Kirchenneubau an der Düsseldorfer Straße ein. Die Ruine des alten Kirchenschiffs “im Dorf” wurde später abgerissen. Der romanische Turm wurde vorübergehend als Umspannanlage für Stromleitungen genutzt.

“Wie später die Idee entstand, den Turm zum Mahnmal umzugestalten, ist leider nicht dokumentiert”, bedauert Michael Gorgs. 1953 habe der Kulturausschuss des Büdericher Gemeinderates einstimmig die Absicht formuliert, ein neues „Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges“ zu schaffen. Von vier Künstlern wurden Entwürfe für die Ausgestaltung des Turms eingeholt. Der folgende Beschluss der Kommunalpolitiker war mutig und aufgeschlossen: “Zwölf Jahre nach Kriegsende schenkte man einem jungen, bis dato weitgehend unbekannten Bildhauer und Mataré-Schüler das Vertrauen: Joseph Beuys.” Sein Entwurf galt damals als unkonventionell und völlig neuartig, aber er überzeugte – bis heute.

Die große Beuys-Ausstellung in Kleve läuft bis 4. September. Zum jährlichen “Tag des offenen Denkmals” am 11. September werden Torflügel und Auferstehungssymbol restauriert wieder am angestammten Platz im Alten Kirchturm in Büderich hängen. In der Zwischenzeit wird nach der Außenfassade im letzten Jahr nun auch der Innenraum des Turms saniert.

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