Zuwendung fürs Kind statt Handy-Starren: Kreisweite Kampagne „Sprich mit mir!“ gestartet

Plakate, Karten und Broschüren sollen Eltern zum bewussteren Umgang mit dem Smartphone ermuntern

Diese Situation müsste jedem bekannt vorkommen: Mutter starrt aufs Smartphone, Baby schaut in die Röhre. Mit diesen und anderen Cartoon-Motiven wirbt die Aktion „Sprich mit mir!“ für einen bewussteren Umgang mit dem Handy im Beisein von Kindern. Repro: Stadt Meerbusch.

„Sprich mit mir – Familienzeit statt Handy-Zeit“ heißt der Titel einer Kampagne, die der Rhein-Kreis Neuss und alle Mitgliedskommunen jetzt gemeinsam gestartet haben. Die Botschaft, die sich insbesondere an die Eltern von Kleinkindern richtet: Überdenkt eure Handy-Gewohnheiten und schenkt euren Kindern die nötige Aufmerksamkeit! Sechs lustige Karrikaturen der Cartoonistin Renate Alf mit typischen Szenen aus dem Familienalltag unterstützen den Appell. Die Motive werden auf Postkarten und Plakaten verteilt, dazu gibt es Videos, ein Kartenspiel, eine Info-Broschüre und andere Marketing-Artikel.

Und so sehen die sechs Cartoon-Motive der Aktion aus, die auf Postkarten und Plakaten erscheinen.

  • sprich-mit-mir-1-kinderwagenkollision
  • sprich-mit-mir-2-einkaufswagen
  • sprich-mit-mir-3-strandbadetuch
  • sprich-mit-mir-4-baby-auf-sprungbrett
  • sprich-mit-mir-5-schweigen-am-tisch
  • sprich-mit-mir-6-mama-kinderwagen

Kinder brauchen Aufmerksamkeit

Das Jugendamt der Stadt Meerbusch unterstützt die Idee. Peter Annacker, Leiter des Fachbereichs „Soziale Hilfen und Jugend“, weiß, wie wichtig elterliche Zuwendung, Aufmerksamkeit und Ansprache für Kinder sind: „Kinder lernen in der frühkindlichen Entwicklungszeit erstes grundlegendes Rüstzeug fürs Leben: die Sprache – und zwar durch Zuhören und Nachahmen.“ Insbesondere durch den direkten (Blick-)Kontakt der Erwachsenen mit dem Kind funktioniere eine Interaktion, die die Entwicklung des Kindes direkt fördert. „Sprache lernt ein Kind nun einmal nur durchs Kommunizieren und Sprechen“, so Annacker. Ein Faktum, das eigentlich landläufig bekannt sein sollte.

Alltagssituationen, die täglich zu erleben sind, zeigen hingegen, dass die Realität nicht selten anders aussieht:

  • Mütter, die ihren Kinderwagen durch den Park schieben und dabei aufs Handy starren, während das Baby unbeachtet in den Himmel blickt,
  • Familien, die im Restaurant sitzen und vor lauter Smartphone-Faszination ihre Umwelt, das Essen und vor allem auch das kleinste Familienmitglied vergessen,
  • der Vater, der beim Gang durch den Supermarkt seinen Sprössling im Einkaufswagen ignoriert, weil sein Handy weit interessanter scheint.

„Dieses Verhalten kann dem Kind konkret schaden“, sagt Marion Klein, Leiterin des Kreisjugendamtes. „Auswirkungen spüren wir bereits heute.“ Eine Studie der Universität Bielefeld habe nachgewiesen, dass sich Kinder, die sich von ihren Eltern kaum oder gar nicht beachtet fühlen, Defizite im ihrem Selbstbewusstsein, im Grundvertrauen, ihrer Lebenszufriedenheit und Empathiefähigkeit aufweisen.

Humor statt erhobenem Zeigefinger

Bei der Kampagne – das betonen alle Beteiligten – geht es aber nicht darum, das Handy oder andere elektronische Medien zu verteufeln. Auch gehe es nicht darum, Eltern mit erhobenem Zeigefinger zu verärgern. Deshalb wird die Botschaft auch humorvoll und mit „Schmunzelfaktor“ verbreitet. Ziel ist es, für eine bewusstere Nutzung von Handys im Beisein der Kinder zu werben. „Denn Kinder bekommen sehr viel vom Eltern-Verhalten mit und kopieren es später“, so Peter Annacker.

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke schlägt in die gleiche Kerbe. „Für die Entwicklung von Kindern ist es unerlässlich, dass sich Mütter und Väter mit ihnen beschäftigen. Die Aufmerksamkeit und Zuwendung der Eltern ist durch nichts zu ersetzen.“

Botschaft schon in die Kitas tragen

In Meerbusch soll die Kampagne nachhaltig genutzt werden. Mit Plakaten und Broschüren sollen zunächst die Eltern in den städtischen Kitas sensibilisiert werden. Im nächsten Schritt werden großformatige Citylight-Plakate in den Bushaltestellen im Stadtgebiet für Aufmerksamkeit sorgen. Auch in Schulen, Jugendeinrichtungen, in Bibliotheken, in Einzelhandel und Gastronomie sollen die Materialien nach und nach gestreut werden. Die denkbar einfache Botschaft und der bescheidene Kinderwunsch, der dahinter steckt, sollten gut ankommen: „Sprich mit mir!“

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