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„Tag ohne Strom“ in der Kita „Mullewapp“: Kälte, Dunkelheit und Gemüsesuppe vom Feuer

Alle Räume dunkel und kalt, das Außenthermometer zeigt kurz nach sieben Uhr 0,5 Grad Celsius an. Keine Heizung, kein warmes Wasser, hier und da flackert ein Kerzenlicht. Eltern mit Taschenlampen liefern ihre Kinder ab, kleine Gestalten huschen über dunklen die Gänge. Ja – es ist alles anders als sonst am „Tag ohne Strom“ in der städtischen Kita „Mullewapp“ am Nierster Dorfplatz. „Dieser Tag ist für uns alle etwas ganz Besonderes, die Kinder freuen sich jedes Jahr drauf, und die Eltern finden’s großartig, dass ihre Sprösslinge eine solche Erfahrung miterleben dürfen“, sagt Kita-Leiterin Katrin Decker. Die Botschaft des Tages ist absolut zeitgemäß: Nichts von dem, was wir täglich nutzen, ist selbstverständlich, nichts kommt von selbst, nichts sollte verschwendet werden – kein Strom, kein Wasser und keine Wärme.

Den ganzen Vormittag verbringen Kinder und Erzieherinnen im Freien, die Kälte macht offenbar niemandem etwas aus. Über einem offenen Feuer im Außengelände köchelt ein großer Topf mit Gemüsesuppe, über einem zweiten Feuer am Spielplatz wird Stockbrot gebacken. Das Stockbrot lieben alle, auch wenn das eine oder andere etwas schon etwas geschwärzt aussieht. Anschließend ist die Gemüsesuppe heiß genug. „Die essen auch alle, die sonst kein Gemüse mögen“, schmunzelt Katrin Decker. „Ist halt selbstgemacht und kommt direkt vom Feuer.“

Am „Tag ohne Strom“ gelten feste Regeln, an die sich alle halten müssen. Das gilt zuallererst für den vorsichtigen Umgang mit dem Feuer. „Die Flammen sind heiß, und der Rauch brennt in den Augen, also ist Abstand wichtig.“ Damit sich kein Kind erkältet, sind dicke Kleidung und Ski-Unterwäsche empfohlen. Zudem lernen die Kleinen, dass ohne Energie „alles etwas umständlicher“ läuft: Am frühen Morgen wird der Weg zur Toilette mit Kerze gesucht, das Wasser zum Händewaschen ist eiskalt. Die fünfjährige Nele traf um 7 Uhr als erstes Kind in der Kita „Mullewapp“ ein und durfte mit Katrin Decker die ersten Vorbereitungen treffen. „Das war spannend, wir haben erst einmal die Kerzen angezündet, damit wir etwas sehen konnten.“ Bis mittags bleiben die Kinder im Freien – ganz gleich, welches Wetter herrscht. Dann geht’s wieder in die Gruppenräume. „Und morgen läuft das Leben hier wieder ganz normal“, sagt Katrin Decker – bis zum nächsten „Tag ohne Strom“ 2027.