
Der Laie sieht es erst auf den zweiten Blick: Den etwa 60 Jahre alten Buchen und Eichen im Meerbad-Park, die unmittelbar an der Büdericher Allee stehen, geht es nicht gut. An etlichen Stellen ragen bereits tote Äste gen Himmel, die Kronen werden lichter. Ursache des Problems: zunehmende Trockenheit und ein knochenharter, stark verdichteter Boden. Die Folge: Der Wasserhaushalt im Erdreich gerät ins Stocken, Nähr- und Speicherstoffe erreichen nicht mehr ihr Ziel, das feine Wurzelwerk stirbt ab. Buchen und Eichen gelten als besonders anfällig für das Phänomen. Verdichtet wird der Boden unter anderem durch Pflegefahrzeuge, aber auch durch Veranstaltungen mit viel Publikumsverkehr oder Spaziergänger, die sich auf der Wiese tummeln.
Peter Schoppe-Tscheschlogg, stellvertretender Leiter des städtischen Fachbereichs Grünflächen, blickt mit Sorge auf die Entwicklung. „Jedes Jahr müssen unsere Baumpfleger hier Totholz aus dem Kronen holen, die Bäume verlieren stetig mehr an Vitalität und hätten unter den aktuellen Bedingungen wohl nur noch wenige Jahre zu leben. Deshalb haben wir jetzt reagiert.“ Mit einer „Wurzelbehandlung der besonderen Art“ sollen die betagten Schatten- und Sauerstoffspender jetzt Erleichterung erfahren: Mitarbeiter eines von der Stadt beauftragten Fachunternehmens für „Baumstandortsanierung“ lockern den Boden rund um die Bäume mit so genannten Druckluftlanzen auf. Durch die Lanzen wird mit hohem Druck Luft ins verdichtete Erdreich gepresst. So entstehen bis in etwa 80 Zentimeter Tiefe Risse und Hohlräume, in die anschließend eine Mischung aus Wurmhumus, Stützkorn und so genannten Symbiosepilz-Kulturen geblasen wird. „Für die Bäume wirken die Injektionen wie eine Art Vitaminspritze“, erklärt Damian Jörren, der für das Fachunternehmen die Arbeiten im Meerbad-Park leitet. „Die Stoffkreisläufe im Erdreich werden entscheidend verbessert, Sauerstoff und Wasser sind wieder verfügbar, und das eingeblasene Substrat bringt das Bodenleben wieder auf ein gesundes Niveau.“ Von der Behandlung, so Jörren, profitierten ihre Bäume schon nach relativ kurzer Zeit. „Bereits nach einer einzigen Anwendung dringen die Wurzeln wieder tiefer in den Boden ein, werden besser versorgt und verzweigen sich intensiver.“
Unterstützt durch Fördermittel der KfW-Bank investiert die Stadt rund 25.000 Euro in die Baumrettungsaktion. Während die Bodenbohrungen gesetzt wurden, hat die Ausbildungskolonne des Fachbereichs Grünflächen das Areal um die Bäume mit einem rund 50 Zentimeter hohen Stankettenzaun eingefasst. Der Bereich, so bittet die Stadtverwaltung, soll fortan nicht mehr betreten werden, damit der Boden nicht erneut verdichtet wird. Unter den Bäumen werden die Stadtgärtner später Rindenmulch aufbringen, fallendes Laub bleibt als Dünger liegen. Im Herbst wird die Fläche obendrein mit kleinen, heimischen Schattenstauden bepflanzt und dann mit Frühjahrsblühern verschönert. So soll am Parkeingang eine naturnahe Beet-Ecke mit gesunder Flora entstehen.
Die Investition, so betont Damian Jörren, lohne sich auf jeden Fall. „Stadtbäume sind enorm wichtig fürs Klima in der Umgebung, gleichwohl wird ihnen das Leben an zum Beispiel an Straßen, in versiegelten Flächen und im verdichteten Untergrund schwer gemacht. Hitze und Trockenheit tun ein übriges.“ Die jetzt angewandte Methode könne – frühzeitig angewandt – Schlimmeres verhindern und wertvolle Bestände retten.

